Ötztaler Radmarathon 2026: Vier Starter, vier glückliche Finisher
227 Kilometer, 5.500 Höhenmeter und vier Alpenpässe: Der Ötztaler Radmarathon gehört zu den härtesten Radmarathons der Welt. Am 30. August 2026 stellten sich 4.271 Radsportlerinnen und Radsportler aus 38 Nationen dieser Herausforderung. Mit dabei waren Meike Müller, Daniel Governatori, Frank Drews und Klaus Eckhardt. Für Klaus war es bereits die dritte Teilnahme, für Meike und Daniel jeweils die zweite und für Frank die erste. Am Ende ging für alle vier der Traum vom Finish in Erfüllung.
Klaus Eckhardt berichtet von dem Abenteuer Ötztaler Radmarathon:
Die Strecke führte von Sölden zunächst hinunter nach Oetz und anschließend über die vier großen Anstiege: Kühtai (18 km und 1.200 Höhenmeter), Brennerpass (37,5 km und 777 Höhenmeter), Jaufenpass (15,5 km und 1.130 Höhenmeter) sowie zum Abschluss das Timmelsjoch (29 km und 1.724 Höhenmeter). Danach wartete die lange und rasante Abfahrt zurück nach Sölden.
Die Wetterbedingungen hätten kaum besser sein können. Sonnenschein, angenehme Temperaturen und trockene Straßen sorgten für einen außergewöhnlich schnellen Renntag. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen wurden neue Streckenrekorde aufgestellt. Der Kanadier Jack Burke gewann in 6:29:21,2 Stunden und feierte seinen dritten Ötztaler-Sieg. Bei den Frauen triumphierte die Deutsche Janine Meyer zum vierten Mal in Folge. Mit 7:15:46,2 Stunden verbesserte sie erneut ihre eigene Bestmarke.
Für die meisten Teilnehmer stand jedoch nicht die Zeit im Mittelpunkt, sondern das Ankommen. Die langen Anstiege boten reichlich Gelegenheit, in sich zu gehen – und gelegentlich auch die Frage zu stellen: „Warum tue ich mir das eigentlich an?“ Die Antwort folgte meist wenig später. Sobald man einen der zahlreichen Zuschauer-Hotspots erreichte, waren die Zweifel wie weggeblasen.
Die Begeisterung entlang der Strecke war überwältigend. Am Kühtai, in Innsbruck und Sterzing sowie in vielen kleineren Orten säumten zahlreiche Menschen die Straßen. Sie jubelten, klatschten und trugen die Fahrer förmlich über die Anstiege. Auf den für das Rennen gesperrten Streckenabschnitten entstand dabei beinahe ein echtes Tour-de-France-Gefühl.
Für eine kleine unfreiwillige Pause sorgten kurz vor Sterzing einige Ziegen, die sich nicht entscheiden konnten, auf welcher Straßenseite sie den Fahrerzug vorbeilassen wollten. Für einen kurzen Moment spielten weder Platzierung noch Tempo eine Rolle.
Unvergesslich blieb schließlich die Rückkehr nach Sölden. Wer nach vielen Stunden das Timmelsjoch bezwungen hatte und in die stimmungsvolle Zielgasse einbog, wurde von Glück, Erleichterung und Stolz überwältigt. So ging es auch Meike, Daniel, Frank und Klaus. Alle vier hatten ihr persönliches Ziel erreicht. Die Uhr zeigte unterschiedliche Zeiten – doch das Glück im Ziel war bei allen gleich groß.
(Text: Klaus Eckhardt, Fotos: privat)



