IM Klagenfurt: You are an Ironman! Die schönsten Worte des Tages! Karin Hahnfeld qualifiziert sich für Hawaii!

14.06.2026

Die erste Langdistanz, der längste Tag des Lebens, war ein unbeschreibliches Erlebnis! Das konnten alle drei Finisher vom Team Naunheim auf der Stelle unterschreiben. Denn nicht nur Karin war am Start, sondern auch Emely Moos und Florian Seifart.

Die Ansprache vor dem Schwimmstart war so emotional, dass schon hier die ersten Tränen flossen. Die Anspannung der letzten 6 Monate fällt von mir ab – ich stehe am Start meines Rennens, auf das ich mich jeden einzelnen Tag der letzten 6 Monate vorbereitet habe. Mein ganzes Leben hat sich in dieser Zeit nur um eins gedreht: den Ironman!

In wenigen Minuten ertönt das Startsignal am Wörthersee. Knapp 3000 Athleten, davon etwa nur 300 Frauen, stehen am Ufer und warten auf den Start!

Dann ist es endlich so weit, ich bin an der Reihe und renne beim Rolling Start mit anderen Athleten ins Wasser. Leider hatte ich es verpasst mich einzuschwimmen und muss trocken starten. Nicht leicht für meinen Kopf! Was ich auf den ersten 300 Metern deutlich zu spüren bekomme. Ich kann nicht mehr schwimmen, meine Wasserlage ist katastrophal und ich bekomme keine Luft mehr. Ich probiere es mit Brustschwimmen, um meine Atmung besser kontrollieren zu können. Geht nicht. Athleten schwimmen gnadenlos über mich drüber. Ich kämpfe gefühlt ums Überleben. Wie war das, wenn dich die Panik im Wasser überkommt? Auf den Rücken legen. Tatsächlich, das funktioniert.

Nach 50 Metern komme ich in meinen Rhythmus und ich gleite mit einer Leichtigkeit durchs Wasser. Genauso hat es sich im Training angefühlt! Nein, es fühlt sich gerade 1000-mal besser an, ich schwimme in einer homogenen Gruppe und hänge mich an die Beine vor mir und schwimme im Sog mit. Ein Traum! Nach knapp 3 Kilometern geht es in den legendären Lendkanal. Hier steht rechts und links und auf den Brücken das Publikum und feuert uns an. Unbeschreiblich! Dann nach 3,8 Kilometern ist das Schwimmen geschafft. Ich laufe Richtung Wechselzone, ab zum Rad und auf die 180 km lange Fahrradstrecke mit insgesamt 1800 HM. Berge liegen mir. Der heftigste Anstieg ist der Rupertiberg nach 66 Kilometern in der 1. Runde mit einer Länge von 2,5 km und einer maximalen Steigung von 11,3 %. Danach geht es fast nur noch bergab für die restlichen 14 km, bevor es dann auf die 2. Runde geht!

Die Radstrecke ist wunderschön, sie führt am Faker See vorbei – eine Augenweide.

Auf den letzten 5 km habe ich einen Kloß im Hals! Ich kann es nicht glauben! Ich habe es tatsächlich geschafft und kann es kaum erwarten, auf die Marathonstrecke zu gehen.

Kaum auf der Laufstrecke höre ich die unverkennbare Stimme von meinem Mann: „KARIN Hahnfeld!!! Auf geht’s! Gut schaust du aus! Schön locker bleiben!“ Motivation pur!

Ich schaue auf meine Uhr und erinnere mich an die Worte von meinem Coach: Die ersten 2 Kilometer darf auf keinen Fall eine 4-er Pace auf deiner Uhr stehen! Das schaffe ich nicht ganz – meine ersten Kilometer sind doch etwas zu schnell. Habe die Trittfrequenz vom Fahrradfahren noch in den Beinen. Das ist eine der Tücken beim Triathlon. Doch dann laufe ich mich ein. An den Verpflegungsstationen schnappe ich mir Wasser und Eis, um meine Körpertemperatur runterzukühlen. Es sind immerhin knapp 30 Grad.

Das Publikum an der Marathonstrecke ist einmalig. Das ist insgesamt mein 10. Marathon und ich habe noch nie ein so motivierendes, mitfühlendes und lautes Publikum erlebt, wie beim Ironman in Klagenfurt. Es gab kaum eine Passage, wo niemand stand. Bei Kilometer 14 hatte ich einen Einbruch und war mir sicher, meine Pace von 5:20 nicht halten zu können. In meinem Bauch fing es an zu rumoren und ich sah mich schon ab Kilometer 30 gehen. Bis Kilometer 21 schleppte ich mich so durch, dann musste ich ein Dixi aufsuchen, was mich zwar einige Minuten kostete, doch dafür konnte ich von da an wieder locker laufen. Ich beschloss, kein Gel mehr zu nehmen und ging das Risiko ein, schon ab Kilometer 25 Cola zu trinken. Ich hatte es im Training nicht getestet, ob ich so viel Koffein vertragen würde. Zum Glück ging die Rechnung auf und ich konnte auf den letzten 5 Kilometern nochmal Gas geben, was ein großartiges Gefühl ist. Ab Kilometer 30 war ich quasi auf der Überholspur. Jeder Sportler weiß, wie gut sich das anfühlt.

Und dann endlich nach 11:06:41 der Zieleinlauf, vorbei am türkisfarbenen Wörthersee und über den schwarz-roten Ironman Teppich! „You are an Ironman!“ – jetzt weiß ich warum es heißt, dass ein Ironman dich verändert. Es ist nicht nur der Zieleinlauf, sondern die vielen Trainingsstunden, die ich fokussiert und mit viel Disziplin durchgezogen habe. Trotz Schmerzen, Müdigkeit und Selbstzweifel weiterzumachen. Meine Grenze verschieben. Doch eins ist klar, ohne meinen Mann, meine Trainingspartner und Freunde, meinen Coach, die in dieser Zeit zu mir standen und mir den Rücken freigehalten haben, hätte ich das so nicht geschafft.

Und im Oktober fliege ich zur WM nach Hawaii! Ich kann es immer noch nicht glauben. Ein Traum wird wahr!

(Text: Karin Hahnfeld, Fotos: Sportograf)

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