Sommerfrische im Kleinwalsertal für Trailläufer

Gunnar Klös berichtet über die Trailabenteuer im Kleinwalsertal

Am letzten Juli Wochenende findet traditionell die Walser Trail Challenge im Kleinwalsertal (AUT) nähe Obersdorf statt. Die Verbindung Sommerurlaub und Trailrunning stand bei Jasmin und Gunnar auf dem Plan. Jasmin startete am Samstag beim Widderstein-Trail über 15k / 1000 HM und Gunnar beim Walser Trail Classic über 29 k / 1900 HM. Im Rahmen der Trail-Challenge gab es noch den Ultra über 64k / 3900 HM und natürlich eine mögliche Kombinations-Wertung, wenn man Samstag und Sonntag läuft.

Wer Trailrunning bei Sonnenschein auf breiten Feldwegen kennt, lernte an diesem Wochenende die harte Variante kennen. Seit Tagen gab es starken Regenfall, so dass aus Bächlein Bäche wurden, aus Wiesen wurden Matsch-Tümpel und auf Single-Trails entstanden Rutschbahnen.Jasmin startete am Samstag um 10 Uhr in Baad, einem kleinen Örtchen am Ende des Kleinwalsertals. Pünktlich zum Start kam die Sonne hervor und der Regen machte eine kurze Pause.

Widderstein-Trail

Die Strecke führt Anfangs entlang der Breitach durchs Gemsteltal Richtung Hintere Gemstelhütte. Hier begann der Anstieg bis zur oberen Gemstelhütte, weiter geradeaus bis zum Gemstelpass, vorbei an der Widdersteinhütte zum Hochalppass. Hier ging es auf ca. 4 km über 700 HM bergauf. Der höchste Punkt mit 2039 m war geschafft. Wo es hoch geht, geht es auch wieder runter. Die nächsten 3,5 km ging es wieder 600 HM bergab. Weiter bergab zur Bärgunthütte ging es wieder Richtung Baad, wo schon das Ziel wartete.

Jasmin war hier bereits 2019 am Start und kannte die Strecke, auch von den bisherigen Wanderurlauben im Kleinwalsertal, sehr gut. Die Strecke um den Widderstein war technisch sehr anspruchsvoll, auch bedingt durch die Regenfälle der Vortage, und verlangte den Teilnehmern alles ab. Jasmin lief ihr eigenes Tempo. Ohne Sturz an zu kommen war das Ziel. Besonders die ersten 700HM waren eine große Herausforderung, die in unseren hessischen Gefilden nicht zu trainieren ist. Daher hieß es für sie: Kräfte einteilen, nicht zu schnell angehen und irgendwie den Anstieg bewältigen. Oben wartete eine Verpflegungsstation. Bis zur Widdersteinhütte war aufgrund der hochalpinen Beschaffenheit der Wege auch nicht an laufen zu denken. Ab der Widdersteinhütte ging es zunächst leicht, später recht steil bergab bis zur Bärgunthütte. Hier wartete die letzte Verpflegungsstelle. Der angebotenen Enzian-Schnaps der Wirtin Sabine wurde dankend abgelehnt. Die letzten 2,5 km bis ins Ziel verliefen auf einem breiten Wanderweg leicht abfallend und fühlten sich wie fliegen an. Glücklich im Ziel reihte sich Jasmin zwar im hinteren Finisherfeld ein, dennoch war sie nach einem schleppenden Saisonverlauf und der Überlegung überhaupt zu starten, unglaublich happy nach dem Zieleinlauf mit Schuhen und Zielverpflegung im Brunnen von Baad zu sitzen. Jasmin kam nach 3 Stunden 12 Minuten auf Platz 21 der AK 40 ins Ziel.

Walser-Trail

Am Sonntag war Gunnar an der Reihe. Der Startschuss fiel um 11 Uhr ebenfalls ins Baad, das Ziel befand sich dann aber am Walser-Haus in Hirschegg. Leider versteckte sich die Sonne, aber pünktlich zum Start machte der Regen eine Pause. Entgegengesetzt der Strecke des Widderstein-Trail ging es Richtung Bärgunthütte berghoch zur Widderstein-Hütte. Hier waren nach 7 km die ersten 700 HM geschafft. Auf den nächsten 4-5 km ließ das Streckenprofil einen laufbaren Abschnitt vermuten. Leider bestand dieser Abschnitt aus matschigen und steinigen Wegen, die für Gunnar aufgrund hoher Sturzgefahr kaum laufbar waren. Weiter ging es berghoch auf alpinem Gelände auf über 2100 m Höhe zur Mindelheimer Hütte, die als Verpflegungsstation diente. Mittlerweile begann es wieder stärker zu regnen. Hier konnte man wetterbedingt das Pflicht-Equipment testen. Nicht wenige Teilnehmer wechselten zu Langarm, Regenjacke, Handschuhe und Mütze. Nächstes Ziel war bei Km 18 die Fliedererscharte, die mit 2214 m den höchsten Punkt der Strecke markierte. Mittlerweile kam die Sonne heraus und man konnte einen traumhaften Blick in die Berglandschaft genießen. Die restlichen gut 10 km bergab sollten es aber noch einmal in sich haben. Über Geröllfelder, matschige Kuhwiesen und Trampelpfade ging es in Richtung Ziel. Die Wege waren mittlerweile durch den Regen völlig unterspült und neben den Läufern suchte sich auch das Wasser den Weg nach unten. Hier galt es für Gunnar sturzfrei ins Ziel zu kommen. Leider musste er sich vereinzelt doch auf den Hosenboden setzten, der Downhill war eher eine Rutschpartie. Froh die letzten Meter auf festen Wegen zu laufen, ging es Richtung Walser-Haus, dem Ziel des heutigen Laufs. Letzter Anstieg und das Ziel war in Sicht. Gut 100 m vor dem Ziel wartete Linus, der dann den Papa ins Ziel begleitete. Ein toller Moment rundete ein unvergessliches Trail-Erlebnis ab. Gunnar läuft nach 6 Stunden und 5 Minuten als 40. Platz der AK50 ins Ziel.

Das Walser-Trail – Event lieferte alles ab, was diesen Sport so besonders macht. Unberechenbares Wetter, anspruchsvolle Strecken, großartiges Bergpanorama und eine gute Organisation mit freundlichen Helfern.

Bericht Gunnar Klös. Die Bildrechte liegen beim Autor